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18.07.06

Permalink 12:59:14, by Lorenz Email

Verbesserte Version des Ethnologie-Forums

Das Ethnologie-Forum auf antropologi.info ist erfreulicherweise in letzter Zeit eifrig genutzt worden. Nun habe ich eine neue Version mit Spam-Schutz installiert. Dieser Spam-Schutz betrifft nicht-registrierte Forum-Nutzer, die nun mit einer Rechen-Aufgabe herausgefordert werden (z.B. 45+18), bevor sie einen Beitrag veroeffentlichen koennen. Solche Anti-Spam-Massnahmen sind inzwischen gang und gaebe im Netz, da Spammer saemtliche Foren, Blogs und Gaestebuecher mit ihrer Werbung fuer Viagra u.a. zumuellen.

Dank des Spam-Schutzes funktioniert nun wieder die Email-Funktion: Wenn Du Deine Email-Adresse angegeben hast, koennen Dir andere Forum-Nutzer via Kontaktformular eine Mail schicken.

Registrierte Nutzen koennen einander PMs (persoenliche Mitteilungen) innerhalb des Forums versenden.

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Categories: Internes
Permalink 02:50:18, by Lorenz Email

Zidane's Kopfstoss: Helfen ethnologische Erklärungen weiter?

Warum hat Zidane Materazzi im Finale der Fussball-WM mit einem Kopfstoss zu Boden gebracht? Warum hat er ihn nicht geboxt, getreten oder geschlagen? Ethnologe Thomas Hauschild macht sich ein paar Gedanken ueber - in seiner Ansicht - "eine der emblematischsten und faszinierendsten Szenen der jüngsten Kulturgeschichte". Fast alle Konfliktlinien, die die Gegenwart prägen, so der Ethnologe euphorisch, lassen sich dort studieren.

Solche Worte lassen erstmal aufhorchen: Sind nun wieder Ethnologen dabei, zu kulturalisieren, Handlungen ueberzuinterpretieren? Doch die Ausgangsfrage ist durchaus legitim, und wir alle - oder viele unter uns - werden uns wohl ueber Zidanes Kopfstoss gewundert haben. Fuer Mittelmeerethnologen, so Hauschild, ist dieser Kopfstoss gar nicht ueberraschend. Im "mediterranen Ehrbegriff" spielen naemlich Kopfstoesse (und Hornsymbolik) eine zentrale Rolle. Doch den Kopfstoss allein mit dem Konzept der Ehre zu erklaeren greift zu kurz. Genauso wichtig, so Hauschild weiter, ist es, den Klassenbegriff mit in die Analyse einzubringen.

Der Ethnologe schreibt:

Die zum Ziegengehörn gereckten Finger signalisieren, daß das Gegenüber sich benimmt wie ein Ziegenbock - die mächtigeren Böcke lassen nach der Begattung auch jüngere Männchen an ihre Weibchen heran. Ein Klatscher der linken Hand gegen den rechten Oberarm, manchmal verbunden mit nach hinten gebogenen Fingern aber signalisiert den Widder. Sein Kopfstoß ist bei Hirten zu Recht gefürchtet und trifft jeden, den er zu nah bei seinen Weibchen sieht.
(...)
Zidane verpaßte also dem Italiener einen Widderstoß: Zidanes Kopfstoß wandelt die klassischen Themen der Ehrsymbolik virtuos in ein internationales Fußballdrama um.

(..)

Er hat vielleicht gehandelt wie ein algerischer Hirte, aber er hing dabei nicht am langen Faden der Tradition, sondern er hat als moderner selbstbewußter Aufsteiger gehandelt, der am Endpunkt seiner Karriere Zeichen setzt. Die Zeichen gelten nicht islamischen Moralaposteln, sondern in paradoxer Weise auch einem Teil jener Kinder, derentwegen er sich nun wieder so schämen muß.

Es sind die Kinder aus den Banlieues. Es sind also nicht die auf ihre Ehre bedachten Kinder der algerischen Hirten, um die es geht. (...) La Castellane, der von Migranten und ihren Nachfahren bevölkerte Vorort von Marseille, aus dem Zidane stammt, ist der primäre räumliche Bezugspunkt seines Aktes im Olympiastadion, nicht Algerien allein oder der Mittelmeerraum an sich.

[Zidane hat] allen Franzosen und der Welt gezeigt, daß man sich als "beur" nicht alles gefallen lassen muß, daß man sich wehren kann.

>> weiter in der Faz

SIEHE AUCH:

Hauschild: "Wir müssen begreifen, was es heißt, als Muslim im Westen zu leben"

Permalink 02:05:47, by Lorenz Email

(aktualisiert) Mit in Kongo dabei: Noch eine Bundeswehr-Ethnologin

"Für den Einsatz hat die blonde Frau mit dem Pferdeschwanz erstmals ihre Zivilkleidung mit einer Uniform getauscht", lesen wir im FuldaInfo ueber Bundeswehr-Ethnologin Barbara Muck. Sie ist "seit der Verlegung der ersten deutschen Soldaten in den Kongo mit dabei", um "den Soldaten vor Ort die völlig andere Umgebung nahe zu bringen und kulturellen Missverständnissen vorzubeugen": Nur nicht zu stark Händeschütteln, Vorsicht mit Hierarchien, sagt sie.

Und dann lesen wir dies:

Den Bundeswehrsoldaten versucht die Ethnologin, deren Spezialgebiet der Sudan ist, zu verdeutlichen, dass in der afrikanischen Tradition sich die Menschen gern mit starken Führungspersönlichkeiten identifizierten. Entsprechend hart fallen dann die "Wahlkämpfe" aus, wenn verfeindete Lager aufeinandertreffen. In dieser Gemengelage hängt vieles davon ab, dass die Kongolesen die Eufor-Truppe als neutral wahrnehmen.

So ist die Ethnologin viel in Uniform auf den Straßen unterwegs und geht auf die Menschen zu. "Musik, Fußball und Kirche", so ihre Einschätzung, bestimmen das alltägliche Leben. Deshalb wurde für die Informationstour der Eufor-Soldaten schon ein Jingle produziert, der die Einsätze auf der Straße begleitet. Und "ganz im Kleinen" nimmt Mück einfach mal einen Ball mit, wenn sie eine Schule besucht.

>> weiter bei FuldaIfo

Komischerweise konnte ich keine Infos ueber die Ethnologin im Netz finden. Ist der Name falsch geschrieben?

Sie ist nicht die einzige Ethnologin, die mit der Bundeswehr kooperiert. Vor sechs Wochenkuerzlich hatten wir hier die Ueberschrift Deutsche Ethnologin hilft der Bundeswehr (handelte um Anna-Maria Brandstetter)

UPDATE: Der Name scheint faktisch falsch geschrieben zu sein. Bei riemer-o-rama hats sogar ein Bild von jener Barbara Mück. Eine kurze Google-Suche ergab, dass von der Truppen-Ethnologin ein interessanter Text ueber ethnologische Deutschlandforschung im Netz ist.

12.07.06

Permalink 13:35:41, by Lorenz Email

Fremde Feinde: Von Ethnologen und ihren Informanten

"Selten wird so frank und frei über persönliche Erlebnisse mit Informanten und Nachbarn berichtet", schwaermt Achim Sibeth in seiner Besprechung des Buches "Fremde Freunde. Gewährleute in der Ethnologie". Hier erzählen Ethnologen von Erfolg und Misserfolg bei der Kontaktaufnahme mit Informanten in Indonesien, Burkina Faso, Kuba, Indien, Nepal und auf den Philippinen.

>> weiter im Journal Ethnologie

Bereits vor einem knappen Jahr wurde das Buch im Deutschlandfunk besprochen. Da erfahren wir konkreteres. Zum Beispiel ueber Verwirrungen und Missverstaendnisse im Feld, und ueber Tabus. Es ist z.B. nicht ratsam, Viehhirten in mehreren afrikanischen Gesellschaften zu fragen, wie viel Stück Vieh sie besässen:

Die Frage, wie viel Stück Vieh die Familie besäße, erscheint uns harmlos. In der Kultur der Ovambo aber - und vieler afrikanischer Völker - berührt die Frage ein Tabu. Manchmal schließen sich dann die Türen für Besucher aus dem Norden.

(Ich nehme an, hiesige Informanten wuerden aehnlich reagieren, wenn ein Ethnologen sie fragen wuerde, wieviel Geld sie beseassen).

Romana Büchel und Susanne Loosli die Tücken berichten von der Herzlichkeit, mit der sie in Indonesien aufgenommen wurden:

Als "teilnehmende Beobachterinnen" sind die beiden Schweizerinnen fest verankert im Alltag ihrer Gewährsfrau. Sie helfen der alten Frau (Mia) im Haus und hacken auf ihren Feldern.

"Überraschend erklärt Mia, dass das von mir bearbeitete Feld fortan mir gehören werde. Ich wehre entsetzt ab. Erst nach und nach, als ich (...) vom Verlust der drei Töchter erfahre, realisiere ich die Botschaft, welche hinter ihrer symbolischen Vererbung des Landstückes steckt: Mia hat in uns ihre drei verlorenen Töchter wieder gefunden."

Noch mit 33 Jahren adoptiert, wieder Kind zu werden, stürzt Romana Büchel ein Dilemma.

>> weiter beim Deutschlandfunk

Permalink 13:04:27, by Lorenz Email

Bekleidung und Selbstinszenierung - neue Ausgabe von journal-ethnologie

"Kleidung an sich „macht“ nicht den Menschen, aber sie vermittelt in einzigartiger Weise das, was ihr Träger oder ihre Trägerin von sich nach außen geben will", schreibt Annegret Hesterberg de Hernández in einem Text ueber Mode in Mexico in der neuesten Ausgabe der Online-Zeitschrift Journal Ethnologie, die vom Museum der Weltkulturen in Frankfurt herausgegeben wird. Zum Schwerpunktthema Kleidung und Mode international lesen wir im Editorial:

Außerhalb der westlichen Welt scheint es dagegen in unseren Augen keine „Mode“ zu geben. Die Kleidung in Indien, Afrika oder den arabischen Ländern würden wir „Tracht“ nennen und meinen damit eine traditionelle Kleidung, die keinerlei Veränderungen unterworfen ist. Auch scheint es uns, als würde nur die westliche Mode für Individualität, Freiheit und Status stehen, während die „Tracht“ Uniformität, Zwang und Unterordnung ausdrückt. Wenn wir aber über den Tellerrand der westlichen Mode hinausblicken, wird uns bewusst, dass „Mode“ und „Tracht“ keinen Gegensatz bilden, dass auch Tracht Individualität, Freiheit und Status zum Ausdruck bringt.

>> zum Journal-Ethnologie 4/2006

Permalink 12:45:19, von Lorenz E-Mail

Ethmundo.de - neues ethnologisches Online-Magazin

Mehrere engagierte Ethnologie-Studierende von AG Onlinejournalismus der Fachschaft Ethnologie an der Uni Münster haben Ethmundo ins Leben gerufen - ein "offenes Online-Magazin für Kultur und Gesellschaft". In der öffentlichen Diskussion, meint Redaktionsmitglied Caro Kim, muessen ethnologische Erklärungsansätze häufiger Beachtung finden. Daher sollte eine breitere Öffentlichkeit für ethnologische Sichtweisen auf aktuelle Themen erreicht werden. Simone Schubert ergaenzt: "In der Ethnologie gibt es so viele aufregende Geschichten und Inhalte; wir müssen bloß spannend und ohne Angst vor einer gewissen, nötigen Banalisierung darüber schreiben!"

Fuer die erste Nummer hat die Redaktion das Schwerpunkt Thema Kannibalismus gewaehlt. Ausserdem gibt es eine Buchrezension, ein Artikel zur Wahrnehmung von rechts und links und ein Interview zum Thema Ethnologie in der Erwachsenenbildung.

>> weiter zu Ethmundo.de

06.07.06

Permalink 00:06:03, by Lorenz Email

"Tag des Kusses": Maori bevorzugen Nasenreiben

Der Mitteldeutschen Zeitung zufolge ist heute, am 6. Juli der internationale Tag des Kusses. Im Internet, das ergab zumindest eine kurze Suche, gibt es keine offiziellen Infos zu diesem Tag - er ist vermutlich das Produkt von Massenmails, Kettenbriefen, eine dieser Wandergeschichten?

Jedenfalls befragt die Mitteldeutsche Zeitung eine Ethnologin zu verschiedenen Arten, Zuneigung auszudruecken. Sabine Klocke-Daffa, Ethnologin an der Universität Münster und Verfasseren des Buches Sex and the Body, erzaehlt, dass sich die Paerchen bei den Trobriandern in Papua-Neuguinea gegenseitig die Augenbrauen abknabbern. Das Zerkratzen des Rueckens stehe auch hoch im Kurs. Die Maori auf Neuseeland reiben sich die Nasen gegeneinander.

Vielleicht verbreiten sich diese Braeuche genauso wie der Kuss auf die Wange, der aus Suedeuropa stammt? "In Deutschland beginnen die Leute, diese Verhaltensweise zu übernehmen, weil sie das auf Reisen oder im Fernsehen kennen gelernt haben", erklärt die Ethnologin.

>> weiter in der Mitteldeutschen Zeitung

"Today is International Kissing Day!" (bamber.blogspot.com)

Mehr Info zur Kulturgeschichte des Kusses in der Seattle Times: Kissing: nature's cure-all, for most

Kuss - Zitate von Wikiquote

04.07.06

Permalink 18:19:23, by Lorenz Email

Ethnologe: "Deutscher WM-Patriotismus positiv"

In ein paar Stunden werden wieder die deutschen Fahnen geschwenkt - auch in Oslo (siehe Bild vom Spiel gegen Argentinien). Anders Deutsch-Bloggerin Urmila Goel ist vom Fahnenschwenken nicht angetan. Obwohl ich dem WM-Enthusiasmus nicht so kritisch gegenueberstehe, werde ich im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Einwanderern in Norwegen wieder sitzenbleiben, wenn die Deutschland-Hymne ertoent und nicht mitsingen (aber dennoch die deutsche Mannschaft anfeuern).

Urmila Goel schreibt, die Medien "überschlagen sich geradezu, ob der friedlichen WM und dem positiven Fahnenschwenken". Kuerzlich war auch hier auf antropologi.info zu lesen World Cup Enthusiasm:"Need for a collective ritual, not nationalism".

Der Deutschlandfunk hat nun den Berliner Ethnologen Wolfgang Kaschuba zum deutschen WM-Patriotismus befragt. Kaschuba meint, die meisten Menschen freuten sich über die deutsche Mannschaft, sie seien aber nicht nationalistisch eingestellt - und Neonazis haben da keine Chance:

Also die deutsche Fahne wurde in Kreuzberg von türkischen Lieferfahrzeugen zunächst mal hoffähig gemacht, und dann trauten sich die Deutschen natürlich auch allmählich.

(...)

Es sind keineswegs nur sozusagen nationalistische oder nationale Bedürfnisse, da mischt sich vieles. Wenn Sie genau hinschauen, wie gefeiert wird, da ist natürlich ein Stück Party mit drin, Eventkultur, es gibt sehr viele Großereignisse, die von den Menschen aufgesucht werden, und in dieser Zeit des Individualismus gibt es eben auch ganz offenbar diese andere Seite, diesen Wunsch nach Gemeinschaftserlebnissen, die nicht zu tief sein sollen, nicht zu lange dauern sollen, aber die man sucht.

(...)

Es gibt gerade auch in dieser Fankultur und in diesen Formen von Begeisterung eben ein deutliches Abgehen sozusagen von diesen harten und gröhlenden Formen nur hin eben auch zu spielerischen und zum Teil auch ironischen. Wer die deutsche Fahne trägt, hat nicht immer sozusagen dieses Stammtischdenken dahinter, sondern macht es zum Teil auch ganz spielerisch, und manche der Fahnen sind da reine Fantasieprodukte.

(...)

Ein ganz interessanter Befund, den ja auch schon einige Medien schon angestellt haben, die Neonazis bekommen in dieser patriotischen Welle kaum einen Fuß auf den Boden. Warum? Weil es offenbar eben nicht ihr Nationalismus ist, also einer, der aggressiv sich gegen andere wendet.

>> weiter beim Deutschlandfunk

Den Vogel schiesst die fahnenverhuellte Claudia Schiffer ab: "Das Topmodel zeigt, wie sexy Germany ist. Um Investitionslust zu wecken", meldet die Sueddeutsche.

SIEHE AUCH:

Anders deutsch: Fahnen schwenken (mit vielen guten Links!)

anders deutsch: Aggressiver Nationalismus bei der WM

Anders Deutsch: Trauer und Jubel: Ich verstehe nach wie vor nicht, warum alle diesen sogenannten 'positiven Patriotismus' so positiv finden

World Cup: Cultural representations and why patriotism is not healthy

World Cup Enthusiasm: "Need for a collective ritual, not nationalism"

Is the Football World Cup a peacemaker?

Frauen und Fussball: Warum sich die Geschlechterklischees trotzdem halten

Fussball: Keineswegs nebensächlich für Ethnologen

"Faszination Fußball" im Hamburger Völkerkundemuseum -ueber diese Ausstellung berichtet sogar die Zeitung The National (Papua New Guinea)

Ethnologe Kurt Wachter: Von "Othello" bis Milla - Fußball in Afrika

Marc Auge: Ein Ethnologe bei der Fußball-WM

Aus der Halbdistanz - Fussballbiografien und Fussballkulturen heute (Studienprojekt des Instituts für Europäische Ethnologie der Humboldt Universität Berlin)

Blickpunkt Fussball-WM: eine Form von Religion?

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