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09.09.10

  01:41:58, von admin   . Kategorien: Jugend, Deutschland, Oesterreich, Schweiz

Die Ethnologie der Karottenjeans

Das Magazin De:Bug interviewt Ethnologen Moritz Ege, der Karottenjeanstragende Jugendliche studiert.

Unter den Karottenjeansträgern, erzählt der Ethnologe, befinden sich überproportional viele der Jugendlichen aus den “Nachfolge-Milieus der Arbeiterschicht".

“Ähnlich wie in den frühen Tagen der Skin-Kultur frönen deutschstämmige und migrantische Jugendliche gleichermaßen einer Ästhetik für harte Straßenjungs", lesen wir.

Beim Studium dieser Szene ist offenbar der oft vernachlässigte Begriff der Klasse am relevantesten.

>> weiter bei De:Bug

Jeans sind noch in einem anderen Forschungsprojekt ein zentrales Forschungsprojekt, siehe “Study how and why people wear denim around the world!”

31.08.10

"Globalisierung macht Hirtenkultur cool"

“Warum begeistern sich junge Städter neuerdings fürs Schwingen, für das Kräftemessen einer alte Hirtenkultur vom Land?” Dieser Frage nehmen sich mehrere Schweizer Zeitungen an.

In einem Interview mit a-z.ch bringt Walter Leimgruber, Professor am Seminar für Kulturwissenschaften und Europäische Ethnologie an der Universität Basel, den Schwing-Boom in Zusammenhang mit der Globalisierung:

Die Globalisierung hat uns mit kulturellen Formen und Traditionen der ganzen Welt vertraut gemacht. Wir können indianischen Zeremonien beiwohnen, asiatischen Kampfsportarten und der Musik der Südseebewohner. Das weckt auch die Neugier auf das, was es hierzulande gibt.

Zudem ist seit einigen Jahren “Swissness” angesagt. Es ist wieder cool, das Schweizerwappen zu tragen, sich mit Insignien des Schweizerischen zu schmücken. Nennen wir das Patriotismus light oder die Konsumvariante der Heimatliebe.

>> weiter bei a-z.ch

Einen sehr interessanten Aufsatz zum Thema hat Christoph Fellmann im Tagesanzeiger geschrieben.

Er stellt die verbreitete Auffassung in Frage, der Boom der Volkskultur sei eine Reaktion auf “zu viel” Globalisierung. Es gehe nicht um das eine oder das andere:

Vielmehr haben die Menschen heute die Fähigkeit, das Unterschiedlichste locker miteinander zu verbinden. Gestern an die Street-Parade, heute ans Schwingfest.

Jedoch “erst als zeitgemässes Update konnte die alte Hirten- in die neue Eventkultur eingehen".

Sie musste sich vom Muff befreien, das Volksmusiksendungen anhaftete. Diese vonpolitische Rechtsaussen Wysel Gyr im Fernsehen moderierte Sendungen hätten nämlich dazu “beigetragen, dass die Mehrheit bald lieber zu irischen Reels oder brasilianischem Salsa schwofte als zur uperisierten Ländlermusik".

>> weiter im Tagesanzeiger

Schwingen ist auch bei Frauen beliebter geworden, vor allem als Publikum, erfahren wir. Doch es gibt auch einen Frauen-Schwingverband. Und zwar schon seit 1992. Viele der 80 Schwingerinnen kommen aus Schwingerfamilien.

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Ainu in Japan: Cool to be indigenous

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"Rasenmähen am Sonntag = Kulturverlust"

“Rasenmähen am Sonntag halte ich für einen Ausdruck gewaltigen Kulturverlusts.“ Diese Aussage stammt nicht von einem konservativen Priester (oder Imam hätte ich beinahe geschrieben), sondern von einem Ethnologieprofessor - Werner Mezger von der Uni Freiburg im Breisgau.

Der Anlass: Der Südkurier diskutiert “den siebten Tag der Woche. Obwohl die Gesellschaft liberaler geworden ist, gelte immer noch das von der Bibel inspirierte Gebot der Sonntagsruhe.

“Man hängt vielleicht nicht gerade die Bettwäsche in den Garten – aber die kleine Wäsche auf dem Balkon stört niemanden mehr", so das Blatt.

Selber bin ich sehr erstaunt darüber, dass die Tradition der Sonntagsruhe immer noch so lebendig ist, ich vermute mehr auf dem Land als in der Stadt, im Süden mehr als im Norden?

Der Artikel ist jedenfalls interessant und relevant für Diskussion über Religion und Kultur in Deutschland, die sich leider zu sehr über den Islam dreht.

Im Kommentarfeld erinnert “pezzi” an etwas Wichtiges: “Dass es am SOnntag vielen Menschen gut gehen kann, mit Müssiggang und süssem Nichtstun haben sie einer Handvoll schwer Arbeitender zu verdanken.”

>> weiter im Südkurier

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15.08.10

Nach dem Islamismus: "Schiffauer differenzierter als seine Kritiker einräumen"

War er zu unkritisch gegenüber seinen Informanten? Ein Sprachrohr der “Islamisten"? In der taz wurde das neueste Buch des Sozialanthropologen Werner Schiffauer Nach dem Islamismus: Eine Ethnographie der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs verrissen. In der faz ist soeben eine bedeutend positivere Besprechung des Buches erschienen, in dem Schiffauer u.a. für eine größerere Gelassenheit im Umgang mit Milli Görüs eintritt.

Die Kritik am Buch sei wenig überzeugend, schreibt Susanne Schröter in der faz. Schiffauer sei differenzierter, als seine Kritiker einräumen.

Wissenschaftlich betrachtet, ist nämlich weder an Schiffauers Methoden noch an den Schlussfolgerungen aus seinen empirischen Daten etwas auszusetzen. Im Gegenteil: Der Autor hat im besten ethnologischen Sinne langjährige teilnehmende Beobachtungen bei Milli Görüs durchgeführt und ist in einen Verstehensprozess eingetreten, der ihm Erkenntnisse eröffnet hat, die bei großer Distanz nicht möglich gewesen wären.

(…)

In der heutigen Milli Görüs unterscheidet er drei Milieus: ein konservatives Gemeindemilieu, in dem ländlich-türkische Wertvorstellungen gepflegt werden, ein Jugendmilieu, dessen Protagonisten sowohl in der Gemeinde als auch in der Mehrheitsgesellschaft aktiv sind, aber einen wenig flexiblen Oppositionsgeist pflegen, und schließlich ein postislamistisches Milieu mit reflektierten Intellektuellen, die sich für den Kontakt mit dem Wissenschaftler anboten, da sie den „Dialog mit Geisteswissenschaftlern“ suchen.

>> weiter in der faz

Auch Urmila Goel, die bei Schiffauer studiert hat, findet im Buch “eine differenzierte Darstellung der Milli Görüs und verschiedener Strömungen in ihr". Schiffauer ermögliche seinen Leser_innen immer auch kritische Perspektiven auf sein Protagonisten, schreibt sie.

In einem Interview mit dem Deutschlandradio geht Schiffauer auf die Kritik in der taz ein.

Fast gleichzeitig ist ein Interview mit Schiffauer in der Rheinischen Post erschienen. Hier wird deutlich, dass der Forscher gegen Vorurteilen unter Medienmachern ankämpfen muss.

Das Interview dreht sich um die islamische Gruppierung der Salafisten. Der deutsche Verfassungsschutz scheint sie in Verbindung mit Al Qaida zu setzen.

“Salafismus – Einstieg in die Gewalt” tittelt das Blatt, obwohl Schiffauer deutlich erklärt, dass nur eine kleine Minderheit gewaltbereit ist. “Eine Teilgruppierung im aktivistischen Zweig hat eine Tendenz zum gewaltsamen Islam. Aber das ist eine Minderheit innerhalb der salafistischen Bewegung", betont er.

Die Vertreter dieser “aktivistischen” Teilgruppierung setzten sich für die Herstellung eines “Gottesstaates” ein. Aber dann gibt es noch eine relaxtere Gruppe, die eine “quietistische” Form des Salafismus verfolgt. Sie ziehen sich von der Gesellschaft zurück, “um dort die Religion in ihrer ganzen Reinheit zu verwirklichen", erklärt Schiffauer.

Allen Salafisten ist gemeinsam, dass sie zurück zu den Ursprüngen des Islams möchten. Salafismus ist laut Schiffauer “eine Reinigungsbewegung, mit der man sich wieder frei machen will von all den Einflüssen, die in der Geschichte über den Glauben gekommen sind.”

>> weiter in der Rheinischen Post

Siehe hierzu ein laengerer Text des Anthropologen Martijn de Koning Radicalization Series IV – Salafism as a Utopian Movement

SIEHE AUCH:

Schiffauer: “Öffnung gegenüber dem Islam nicht der Terrorismusbekämpfung unterordnen”

Werner Schiffauer: Wie gefährlich sind “Parallelgesellschaften"?

Werner Schiffauer zum Mord an Marwa El-Sherbini: “Islamophobie reicht bis in die Mitte der Gesellschaft”

Wenn christliche Terroristen töten

Militarisation of Research: Meet the Centre for Studies in Islamism and Radicalisation

“Encouraging to see a Muslim anthropologist studying American society”

Extremism: “Authorities -and not Imams - can make the situation worse”

14.08.10

  23:27:34, by admin   . Categories: Kultur Tradition, Deutschland, Oesterreich, Schweiz

Trauerethnologin: Eine neue Trauerkultur ist am Entstehen


Nach der Loveparade: Trauer am Tunnel. Foto: triple1_hamburg , flickr

Blumen, Kerzenmeere, Abschiedsbriefe. Dass an Orten, wo ein Unglück wie während der LoveParade in Duisburg passiert ist, Menschen gemeinsam öffentlich trauern, ist ein relativ neues Phänomen in Deutschland, sagt “Trauerethnologin” Christine Aka in einem Interview mit dem Westdeutschen Rundfunk (WDR):

Eine der ersten großen öffentlichen Trauerkundgebungen gab es 1986 in Schweden, als der damalige Ministerpräsident Olof Palm erschossen worden war. Plötzlich gingen die Menschen hin und legten Blumen, Kerzen und Zettel an den Tatort. Das entwickelte sich dann schnell weiter. Zum Beispiel nach dem Flugzeugunglück in Rammstein oder dem Zugunglück in Eschede gab es auch in Deutschland große, öffentliche Trauerbekundungen.

Eine vollkommen neue Dimension der Massentrauer war dann die Reaktion auf den Tod des Fußballers Robert Enke, der sich im November 2009 das Leben nahm. Dass der Tod eines Einzelnen, der nicht durch eine Massenkatastrophe gestorben ist, so kultisch gewürdigt wird, hat es noch nicht gegeben.

Bis Anfang der 1980er Jahre waren Tod und Trauer Tabuthemen in Deutschland. Vieles har sich mit den ersten Aidstoten geändert. Auch Säkularisierung spielte eine wichtige Rolle:

Viel hat sich verändert mit den ersten Aidstoten. Es entstanden Trauerrituale für Menschen, die außerhalb der Gesellschaft oder der Kirche gestanden hatten. Außerdem wollte man das Schicksal dieser Menschen öffentlich machen. Einerseits, um den einzelnen Verstorbenen zu würdigen, andererseits als Präventionsmaßnahme. In der Folge kam eine Flut von Trauerratgebern auf den Markt. Vorher hatte man die Trauer dem Dienstleistungsunternehmen Kirche überlassen. Irgendwann konnte man mit diesen kirchlichen Ritualen nicht mehr viel anfangen, sie waren nicht mehr individuell genug. Gleichzeitig verließen immer mehr Leute die Kirchen. Diese Leute stellten fest, dass sie aber trotzdem Abschiedsrituale brauchen. Dann hat man angefangen, sehr kreativ mit der persönlichen Trauer umzugehen.

>> weiter beim WDR

Aka veröffentlichte vor drei Jahren ein Buch über Unfallkreuze am Straßenrand.

Die Forscherin hätte auch die Rolle des Internets für Trauernde erwähnen können. Vor wenigen Wochen ist ein Freund von mir in Norwegen beim Bergwandern 200 Meter in den Tod gestürzt. Freunde und Bekannte benutzten seine öffentliche Facebook-Seite, um letzte Grüsse an ihn zu hinterlassen.

Medienforscherin danah boyd beschreibt dies Phänomen in ihrem Blogpost Facebook and MySpace used as site of mourning/memory:

There is no good way to mourn the loss of someone young, but what fascinates me about these messages on Christine’s Profiles is that they are all written to her but visible for everyone to see. A persistent, public signal of mourning. Her friends are speaking to her, not about her.

Für die Hinterbliebenen von Selbstmord gibt es eine Fülle von Foren im Netz, u.a. suicidegrief.com.

SIEHE AUCH:

Ethnologie und die Sehnsucht nach dem Tod

The Anthropology of Suicide

Völkerkundemuseum der Universität Zürich: Wie ist es im Jenseits und wie gelangt man dorthin?

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19.07.10

Schaut, so exotisch sind die!

Wow! Montagsinterview mit einem Ethnologen in der taz. “Das Paradies der Südsee war immer ein Mythos”. Vielversprechende Ueberschrift. Beginnt gut. Markus Schindlbeck hinterfragt Klischees. Kritisiert mangelnde Investitionen ins Ethnologische Museum in Dahlem, wo er arbeitet.

Doch dann handelt der Rest eigentlig um das Gewöhnliche: Schaut, so fremd und exotisch sind die anderen. “Die Leute sind ganz anders als wir", sagt er. Bis vor kurzem haben sie in den Bergen Papua Neu Guineas noch so gelebt wie in der Zeit vor den Europäern. Doch nun hat die Zivilisation Einzug gehalten. Eurozentrismus will der Ethnologe herausfordern. Macht er dies in diesem Interview?

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Fieldwork in Papua New Guinea: Who are the exotic others?

Auf zum Zoo der archaischen Riten in Papua New Guinea!

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16.07.10

  16:58:36, von admin   . Kategorien: Wir und die Anderen, Medien, Asien, Konflikt Gewalt

- Ethnisierung verhindert Frieden

Kirgisien: Ethnischer Konflikt nur vorgeschoben, meldet pressetext.ch.

In dieser Pressemeldung warnt Ethnologin Sophie Roche vor einer Ethnisierung des Konfliktes.

Die Lage in Kirgisien verschärfe sich unnötig, wenn Politiker und Medien die jüngsten Konflikte in der Ex-Sowjetrepublik vereinfacht als Auseinandersetzung von Volksgruppen darstellen, sagt sie:

“Man wird der Situation viel eher gerecht, wenn man die Spannungen als Folge der wachsenden Bevölkerung, der Jugendarbeitslosigkeit oder des Ressourcenkampfes ansieht. Die Ethnisierung, die die Medien betreiben, schaukelt die Lage nur auf und verhindert Frieden.”

Bereits zwei Wochen zuvor hatte eine andere Ethnologin - Judith Beyer - in einem Interview mit dem Deutschlandradio erklaert, warum Ethnizität nicht der Auslöser des Konfliktes ist.

Ethnifizierende Medienberichte sind gang und gäbe. Die Welt schreibt zum Beispiel über die “von ethnischer Gewalt erschütterte Stadt Osch in Kirgistan", und auch die taz bietet keine alternativen Perspektiven, das Blatt schreibt mehrmals von “ethnischen Unruhen".

SIEHE AUCH:

Ethnologe: “Ethnien und Religion sind keine Kriegsursachen”

Cameroon: “Ethnic conflicts are social conflicts”

Really an ethnic conflict? An anthropologist on the Kenya-crisis

Thesis: That’s why there is peace

21.06.10

  01:48:43, von admin   . Kategorien: Globalisierung, Wir und die Anderen, Afrika, Sport, Kultur Tradition

Vuvuzelas und das ungleiche Verhältnis zwischen Nord und Süd

Foto: Axel Bührmann, flickr

Die WM scheint Ethnologen zu inspirieren. Mehr und mehr Ethnologen äussern sich zur WM in Süd-Afrika, nun auch zu den Vuvuzelas, den Plastiktrompeten, die manchen Fussball-Fans im Norden am liebsten verbieten würden.

Ja, sie sind laut, doch so ist das immer in Fussballstadien. Ist es so schwierig andere Traditionen respektieren? Ist hier ein (antidemokratischer) Trend zu beobachten in West- und Nordeuropa, wo Traditionen, die man nicht mag oder versteht (wie Hijab oder Burqa) versucht zu verbieten?

Doch nun bekommt das Anti-Vuvuzela-Lager Hilfe von zwei Südafrika-Experten. “Kulturlüge: Vuvuzelas sind reiner WM-Marketinggag. Fans gehen vorgegaukeltem Bezug auf Tradition auf den Leim”, meldet die Agentur pressetext.

Gero Erdmann vom Leipzig-Institut für Globale und Regionale Studien sagt:

Die Vuvuzela ist noch sehr jung und wurde vor neun Jahren erfunden. Das traditionelle Instrument, auf das sich der Erfinder in der Vermarktung bezieht, war in der Kultur kaum präsent.

Der Würzburger Musikethnologe Bernd Clausen meint auch, der Anschluss an traditionelle Musikinstrumente sei weitgehend aus der Luft gegriffen und spricht von einem Marketing-Gag.

Doch auch junge Traditionen haben Bedeutung. Vielleicht hätten den deutschen Forscher postkoloniale Perspektiven gut getan?

Graham Hough-Cornwell hat den Diskurs vor allem auf Twitter analysiert und schreibt auf anthropologyworks:

A large portion of the tweets fall along Westerners vs. Africa, neo-imperial fault lines. Some see the vuvuzela issue as Westerners trying to control an important part of South African sporting culture

Er kritisiert auch den “Ethnozentrismus” der Kritiker, die meinen Vuvuzelas “ruinierten die traditionelle Fussballatmosfäre” mit Supportergesängen:

This particular Twitter user fails to recognize that different parts of the world have their own fan traditions, and the songs and chants familiar to many European audiences may not be so “traditional” elsewhere. In other places, drums or horns — a variation on the vuvuzela, the corneta, is popular in Latin America — might create the sound of a soccer match.

Sind es eigentlich nur die Südafrikaner, die mit den Vuvuzelas heruntröten, fragt Norman Schräpel auf wildesdenken.de? Keineswegs. Alle Nationen tröten. “Schlagen die ehemals Kolonialisierten zurück? Ja, denn die Welt trötet mit und das ist gut so", meint der Ethnologe.

Derweil untersucht Ethnologe Matthias Gruber einen anderen Aspekt der WM, der das ungleiche Verhältnis zwischen Nord und Süd problematisiert: gefälschte Markenartikel, sogenannte Fong Kongs. Darunter befinden sich auch Trikots. Der Preis eines Original-Trikot kostet in einem Sportgeschäft in Abidjan 35 000 Francs (knapp 54 Euro) - mehr als ein durchschnittlicher Monatsverdienst, erfahren wir im Handelsblatt. Kein Wunder also, , dass die große Nachfrage nach den Hemden der Nationalmannschaft eine ganze Fälscherindustrie hervorgebracht hat

Der Handel mit Fong Kongs sei seit der Weltmeisterschaft auf Druck der Fifa zur Zielscheibe täglicher Polizeieinsätze gegen Händler und Kunden geworden. Verkäufer würden abgeführt, die Waren vernichtet, berichtet der Ethnologe:

“Diese Einschränkungen werden von vielen als ungerecht wahrgenommen und als Beispiel asymmetrischer Hierarchien zwischen dem globalen Norden und dem globalen Süden verstanden.”

Von Matthias Gruber gibt es auch den Text Fussball in Südafrika (Journal Ethnologie)

SIEHE AUCH:

Ethnologen: WM-Berichte verbreiten Vorurteile über Afrika

Zidane’s Kopfstoss: Helfen ethnologische Erklärungen weiter?

Ethnologe: “Deutscher WM-Patriotismus positiv”

Fussball: Keineswegs nebensächlich für Ethnologen

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