NEU (10.11.05): >> Ethno-Blog-Newsticker (auf Deutsch)
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Migration und Globalisierung, Ästhetik und Unternehmenskulturen sind Themen eines neuen Studiengangs “Kulturwissenschaft” an der Uni Koblenz-Landau, zu dem man sich noch bis zum 15. Juli anmelden kann, geht aus einer Pressemitteilung hervor, die mir Ethnologieprofessor Andreas Ackermann zugeschickt hat.
Während des Studiums würden Fähigkeiten für die berufliche Praxis in Bereichen entwickelt, in denen kulturelle Sensibilität und Kompetenz gefragt sind (Journalismus, Kulturmanagement, Unternehmenskommunikation, internationale Zusammenarbeit etc).
Das Besondere am Koblenzer Studiengang sei die Praxisorientierung: Studierenden können ihr Wissen und Können unmittelbar in Projekten und Praktika im In- und Ausland umsetzen.
Beteiligt an Lehre und Forschung sind die Wissenschaften Ethnologie, Medienwissenschaft, Philosophie, Anglistik, Germanistik, Romanistik, Geschichte, Soziologie, Evangelische und Katholische Theologie sowie Kunst- und Musikwissenschaft.
>> zur Pressemitteilung
Sechs neue Beiträge, die sich mit Afrika befassen, sind soeben in der neuen Ausgabe von Journal Ethnologie erschienen. Einer der Beiträge handelt über Fussball in Südafrika, wo in zwei Jahren die Fussball WM stattfinden wird.
Michael Gruber schreibt von neuen Grenzen im Fussball: Statt Hautfarbe ist es nun Klasse:
Die großen Vereine stehen unter der Kontrolle von erfolgreichen schwarzen Unternehmern, Weiße sind allenfalls auf der Trainerbank zu finden und dann sind es die Legionäre des Weltfußballs, die helfen sollen die Teams konkurrenzfähig zu machen. Es offenbart sich eine Art neue Teilung Südafrikas. Nicht mehr Hautfarbe, sondern Armut und Reichtum teilen das Land.
>> Matthias Gruber: Fußball in Südafrika
Weitere Texte der neuen Ausgabe:
Erika Dahlmanns: Versöhnung nach dem Genozid. Gesellschaftsbilder aus Ruanda
Michaela Pelican: Bush faller. KamerunerInnen zwischen Fremde und Heimat
Viola Hörbst: Ungewollte Kinderlosigkeit. Ein Problem in Mali?
Sie hat sich unter Leute gemischt, dessen Sprache sie nicht spricht, hat gemeinsam mit Fischern einen Hai gefangen und Schildkröte gegessen. Die Heidelberger Studentin Eva Oberle ist keine Ethnologin, sondern Psychologin.
Sie ist eine von vier Psychologinnen, die im Rahmen des Projekts „Person, Space and Memory in the Contemporary Pacific“ in Papua-Neuguinea, Tonga und Westsamoa forscht, meldet die ZEIT
“Psychologie braucht den Kulturvergleich zum Test ihrer Theorien aber wie Suppe das Salz", sagt Psychologieprofessor Joachim Funke. “Ethnologische Fragestellungen können die Psychologie ergänzen und bereichern", sagt sein Kollege, Ethnologe Jürg Wassmann.
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Uebermorgen findet es statt, das Endspiel zwischen Deutschland und Spanien. Passend zur Fussball-Europameisterschaft ist nun die allerneueste Ausgabe von Ethmundo zum Thema Sport im Netz.
Fussball ist eines von vielen Themen. Faszination Fußball – grenzenlos?! fraegt sich Caro Kim und zeigt auf, dass Fussball seinen besonderen Sinn durch die Mythen und Riten, die sich um Stadien, Vereinsentstehungen oder bestimmte Spiele ranken, erhält.
Fussball hat religiöse Dimensionen. Stadien – die sakralisierten Tempel der Moderne. Fans als Gläubige. Fangesänge – eine Art Glaubensbekenntnis. Spieler als verehrte, angebetete Heilige?
Fussball, so Caro Kim, ist von Bedeutung für die Konstruktion persönlicher und nationaler Identität. “Wir sind wieder wer", hiess es als Deutschland 1954 Weltmeister wurde. Statt wie einst Krieg zwischen den Dörfern zu führen, wird die Rivalität heute in Fußballturnieren ausgetragen, hat der Ethnologe Karl-Heinz Kohl auf der Insel Flores in Indonesien beobachtet.
Auch interessant: Im Text Nationalismus auf der Straße und in den Medien vergleicht Katrin Krause die Berichterstattung der Süddeutschen Zeitung über die WM 2006 mit der WM 1974. Nationalbewusstsein und Patriotismus waren damals kaum ein Thema, Nationalspieler Paul Breitner hielt das Singen der deutschen Nationalhymne für überflüssig.
Dies hat sich geändert, und Krause spricht von der Entwicklung eines “positiven Nationalbewusstseins". Wie man auf dem obigen Bild, das ich während des Spiels Deutschland-Polen machte, werden auch in Oslo eifrig deutsche Fahnen geschwenkt. Auffallend: Während des Abspielens der Nationalhymne erhoben sich viele deutsche Migranten und sangen mit.
Wie es sich gehört für Ethnologen, die über Sport schreiben, mischt man sich unter die “natives” und probiert Sportarten selbst aus. Simone Schubert schreibt von einem Selbstversuch im Drachenfliegen und Tobias Lickes mischte sich unter die Unterwasserrugby-Spieler.
>> zur Übersicht über alle Artikel der neuen Ethmundo-Ausgabe
Trotz nationalistischer Berichterstattung, soll der Erfolg der türkischen Mannschaft bei der EM für neue Töne im Miteinander gesorgt haben, meldet die Welt.
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Was ist deutsch? Hanno Kabel hat einen sehr schönen Text in der Ostseezeitung geschrieben- In einem Gespräch mit dem Ethnologen Thomas Hauschild zeigt er auf, wie nicht-deutsche Ethnologen Stereotypen über das “Deutschsein” herausfordern. Sie erzählen “die wahren Geschichten von Deutschland jenseits von Bier, Autos und Sauerkraut".
“Gibt es überhaupt etwas, was alle Deutschen miteinander verbindet; etwas, das sie zu einem Volk macht", ist seine (ironische) Ausgangsfrage und listet gängige Klischees wie Pünktlichkeit auf. Hauschild macht sein Vorhaben zunichte und sagt:
„Das, was Deutsche gern als “preußische Tugenden” hochhalten, sind ganz normale Tugenden einer hochorganisierten Industriegesellschaft. Egal, ob man im Computerbusiness oder in einer Reinigungsfirma arbeitet: Man muss überall sehr diszipliniert sein, um mitzuhalten.“
Es gibt viele ausländische Ethnologen, die deutsche Sitten und Gebräuche erforschen, erzählt Hauschild. Diese befassen sich jedoch mit ganz anderen Themen.
Eine englische Ethnologin interessiert sich für Kinderkrippen. Sie fand heraus, dass Mütter sich die sexistischen Rollenbilder zu eigen machten.
Indonesische Ethnologen untersuchten z.B. wie die Deutschen feilschen:
Ergebnis: Sie können es nicht. Nicht, weil sie steifer, korrekter oder unbegabter wären als andere – sondern schlicht deshalb, weil Rabatte seit 1933 verboten waren. „Deswegen schwärmen die Deutschen auch so für Flohmärkte oder Märkte in Italien“, sagt Hauschild. Erst 2001 wurde das Rabattgesetz abgeschafft.
Zurzeit interessierten sich die ausländischen Ethnologen laut Hauschild vor allem für die Schwächung der deutschen Institutionen: das schwindende Vertrauen in die Politiker und die Bundesbehörden, die Privatisierung öffentlicher Aufgaben.
Was ist deutsch? “Am Ende gibt es nur eine zuverlässige Antwort: das Grundgesetz und ein deutscher Pass", konkludiert Hanno Kabel, der auch über den neuen Einbürgerungstest schreibt.
>> zum Text in der Ostseezeitung
Die Zeit hatte vor neun Jahren einen Artikel mit dem Titel “Das wilde Germanistan. Wie ausländische Ethnologen versuchen, das deutsche Wesen zu ergründen”
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Pfeile gegen die Zivilisation und Hoffnung für die “Steinzeit"-Indios, meldeten die Zeitungen mit ungeschminkten Rasismus nachdem ein “Indianerstamm entdeckt” wurde.
Die Berichterstattung in der WELT hebt sich hier positiv ab. Ulrich Baron reflektiert über den Traum vom edlen Wilden. “Die Verklärung des Naturzustandes zählt zu den hartnäckigsten Illusionen der Menschheit", schreibt er.
Ein paar Tage später interviewt Sören Kittel die Ethnologen Wolfgang Kapfhammer aus München und Susanne Schröter aus Passau. Sie teilen nicht die Besorgnis von Organisationen wie Survival International, dass die Kultur der Indianergruppe “bald ausgelöscht sein” könnte.
Kapfhammer hat ein Jahr bei den Sateré-Mawé im Amazonas-Gebiet gelebt, die zwei Tage Bootsfahrt von der nächsten Stadt leben. “Trotzdem sind sie missioniert worden und tragen westliche Kleidung", sagt er:
“Die Frage, ob sie Kontakt bekommen, stellt sich gar nicht. Es geht vielmehr darum, die Waldbewohner vor der Gewaltkultur an den entlegenen Rändern der brasilianischen Gesellschaft zu schützen.”
“Aussterben ist ein westlicher Topos", sagt Susanne Schröter. Er gehöre ins 19. Jahrhundert und habe damals legitimiert, dass westliche Wissenschaftler Gegenstände exotischer Kulturen dokumentieren konnten.
Kapfhammer stimmt zu:
“Man hat den Eindruck, seit die ersten Indianer entdeckt wurden, sterben sie aus - das ist absurd.”
Heute leben rund 800 000 Amazonas-Indianer in Brasilien, die ein hohes Bevölkerungswachstum aufweisen. Zudem seien sie politisch gut organisiert: Die Sateré-Mawé, bei denen er geforscht hat, stellen in der außerhalb ihres Reservats gelegenen Provinzhauptstadt sogar den Bürgermeister.
Susanne Schröter sagt:
“Die Regierung könnte sie zu einem lebendigen Museum erklären, oder sie baut ihnen Schulen und Krankenhäuser. Eine Käseglocke für die nächsten 20 Jahre kann Funai dem Stamm auch nicht mehr überstülpen.”
Auch international haben sich mehrere Ethnologen kritisch geäussert, siehe meine Zusammenfassung The Double Standards of the “Uncontacted Tribes” Circus
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Vorträge zur Konfliktforschung, Organisationsethnologie und Entwicklungszusammenarbeit sowie eine Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Politik, Kultur und Wissenschaft: Auf dem Informationstag “Lokale Welten – Globale Zukunft Ethnologie als Schlüsselkompetenz im 21. Jahrhundert” möchte das Institut für Ethnologie und Afrikanistik in München die Ethnologie und deren Relevanz der Öffentlichkeit vorstellen.
Die Veranstaltung ist gratis und offen für alle. Wie mir Muriel Heger mitteilt, haben sie bereits guten Kontakt mit den Medien. Neben Tageszeitungen und Lokalradio sind auch unsere Ethnomedien Ethnolog, Ethnologik, Die Maske und Cargo an Ort und Stelle und werden berichten.
Mehr Infos inkl Program gibt es auf http://www.ethnologie.lmu.de/lokalewelten
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Vier Prozent der westdeutschen und 25 Prozent der ostdeutschen Bevölkerung zaehlen sich zum »abgehängten Prekariat«. Fast doppelt so viele sehen sich als »Verlierer der gesellschaftlichen Entwicklung« und »gesellschaftlich ins Abseits geschoben«.
Von diesen Menschen hanfelt der neue Sammelband “Unterschicht – Kulturwissenschaftliche Erkundungen der »Armen« in Geschichte und Gegenwart”, lesen wir in der Jungen Welt.
Mitherausgeber ist Rolf Lindner, Professor für Europäische Ethnologie an der Berliner Humboldt-Universität.
Es scheint aus, dass es den Autoren daran liegt, den Klassenbegriff zu rehabilitieren. Denn Politiker ("auch Ethnologen” die soziale Probleme oft kulturalisieren, koennen wir ergaenzen) vermeiden dieses Wort. Die Junge Welt zitiert dem Ethnologieprofessor, der schreibt:
Konsequenterweise sieht das aktuelle sozialpolitische Programm auch ausschließlich die Bekämpfung der Muster der Lebensführung (Alkohol, Nikotin, Fast Food, Unterschichtfernsehen usw.) vor, nicht aber die Veränderung der strukturellen Rahmenbedingungen.
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Ethnologin: Was Kampfhunde mit Klassenkampf zu tun haben
Ethnologie-Einführungen und die Sonderstellung der deutschen Ethnologie
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