Die neue Ausgabe des Journal Ethnologie vom Museum der Weltkulturen in Frankfurt handelt um Folgen des Tsunamis in Thailand, auf Sumatra, den Andamanen und Nikobaren, Sri Lanka und in Südost-Indien.
Aus dem Editorial:
"Die EthnologInnen beschreiben in ihren Beiträgen über Hintergründe und Lebensumstände der Menschen, die so plötzlich von dieser Katastrophe heimgesucht wurden. Dabei geht es um kosmologische und religiöse Vorstellungen mit deren Hilfe das Unfassbare erklärbar gemacht wird (Sri Lanka/Wolfgang Mey und Thailand/Roland Platz). Achim Sibeth (Aceh/Sumatra) und Carola Krebs (Andamanen und Nikobaren) schreiben über Lebensverhältnisse auf Inseln und Regionen und deren Geschichte, über die wir in Europa nach wie vor wenig wissen. Hilde Link (Südost-Indien) berichtet über die ersten Schritte des Neuanfangs und einer Neuorientierung der Fischer nach der großen Flut."
>> zum Journal Ethnologie ( weiter: Ausgaben - 3/2005 - keine direkten Links moeglich)
Gross sind die Unterschiede zwischen skandinavischer / britischer und deutschsprachiger Ethnologie. Darin erinnert ein interessanter Beitrag von Thomas Schmidinger auf Risse im Context XXI.
Seine Argumente hoeren sich bekannt an. Die deutschsprachige Ethnologie ist mir auch immer sehr altbacken vorgekommen, auf nationalromantischen Ideen von "Nation" und "Volk" beruhend. Anstatt - wie in Norwegen oder England ueblich - Menschsein ansich mit teilnehmender Beobachtung zu studieren, klammern sich immer noch viele deutschsprachige Ethnologen an ueberholten Ideen wie dem Studium von nationalen und ethnischen "Kulturen".
Schmidinger zeigt im Artikel, wie weit Ansichten, die man teils als rassistisch bezeichnen kann, immer noch in der deutschsprachigen Ethnologie verbreitet sind. Er zitiert aus Vorlesungen am Institut für Sozial- und Kulturanthropologie in Wien, das bis vor kurzem noch Institut für Völkerkunde hiess und nennt Beispiele aus dem Standard-Woerterbuch von Walter Hirschberg, in dem offen von "rassischen Merkmalen" die Rede ist (und auch von sogenannter "voelkischer Einheit", wie ich in meiner Lizenziatsarbeit anmerkte).
Er kritisiert auch die "weitgehende Theoriefeindlichkeit vieler VölkerkundestudentInnen". "Da hört mensch sich lieber nette Geschichten von afrikanischen oder indischen Göttern an oder lauscht gebannt Erzählungen über möglichst exotische "Indianer" oder Aborigenes." Seine Forderung: Begriffe "Kultur" und "Identität" hinterfragen. Volkerkunde abschaffen! Stattdessen ein Studium einer "internationalen Kulturwissenschaft", einer "vergleichenden Soziologie", die sich mit der Menschheit auf dem gesamten Planeten beschäftigt.
>> zum Text 'Völkerkunde'' abschaffen!
SIEHE AUCH
Diskussion von Kultur, Nation und Ethnizität in der Ethnologie (Auszug aus meiner Lizarbeit "Wessen Kultur bewahren?")
Tagesanzeiger
Laut einer noch unveröffentlichten Studie der Uni Basel sind 2001 in Basel fünfmal mehr männliche als weibliche Jugendliche straffällig geworden. Übervertreten sind Jugendliche aus alten Arbeiterquartieren, die heute kulturell durchmischt sind und prekäre Wohnverhältnisse bieten. Verunsicherung, Vereinzelung und Überforderung erhöhten die Bereitschaft zur Gewalt.
Die soziologische Studie ist ein Ergebnis des aus mehreren Teilprojekten bestehenden Makroforschungsschwerpunktes «Jugend und Gewalt» der Uni Basel. Andere Teile steuern Erziehungswissenschaft, Theologie, Ethnologie, Rechtswissenschaft und Psychiatrieforschung bei, wie dem Entwurf weiter zu entnehmen ist. >> weiter
SIEHE AUCH:
Webseite des Forschungsprojekts - der ethnologische Teil / siehe auch Zwischenbericht Ethnologie (pdf)
Henning Ritter, FAZ
Zum ersten Mal hat das Berliner Völkerkundemuseum am vergangenen Wochenende nun den Versuch gemacht, Bastian-Forscher, Historiker der Ethnologie und Museumsleute zu einer dreitägigen Konferenz sammenzubringen.
Man hat Bastian Unrecht getan, indem man ihn vorschnell mit dem romantischen Erbe seines ethnologischen Denkens identifizierte. Das Verwirrende ist vielmehr, daß sich diese Vorstellung bei ihm mit den jeweils aktuellsten wissenschaftlichen Ideen seiner Zeit verbanden: mit dem biologischem Entwicklungsgedanken, mit der zeitgenössischen Psychologie, mit soziologischen Begriffen von Comte oder Quetelet. >> weiter
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Adolf Bastian - Ein Schiffsarzt wurde zum Gründervater der Ethnologie in Deutschland
freenet.de / dpa
- Der Kampf gegen so genannte Ehrenmorde an türkischstämmigen Frauen in Deutschland ist nach Expertenmeinung nur in Zusammenarbeit mit den islamischen Gemeinden zu gewinnen. «Wir dürfen den Islam nicht pauschal in die Ecke stellen, weil wir dann die Ansprechpartner in den Gemeinden verlieren», sagte der Ethnologie-Professor und Spezialist für türkische Zuwanderer, Werner Schiffauer, in einem dpa-Gespräch.
Besonders interessant und konstruktiv sei das Engagement von muslimischen Frauen in den Gemeinden. Gerade Frauen seien dort oft das aktive Element, sagte der Ethnologie-Professor. «Sie kritisieren frauenfeindliche Traditionen und berufen sich auf den eigentlichen Islam.» Frauen mit Kopftüchern dürften daher nicht ausgegrenzt werden. >> weiter
Bislang gab es auf dieser Seite nur ein Forum auf Norwegisch. Nachdem die meisten deutschsprachigen Ethnologie-Foren im Netz eingegangen sind (zuletzt jenes auf www.ethno.info), starte ich nun einen neuen Versuch - nicht zuletzt aufgrund den inzwischen recht hohen Besucherzahlen. Ob Bedarf da ist wird sich zeigen, ein Versuch ist es wert. Es ist da um Ethnologie-bezogene/ -verwandte Themen zu diskutieren und Fragen zu stellen.
Es ist nicht notwendig sich zu registrieren, aber moeglich. Bei Antworten bekommt man eine Email-Benachrichtigung, ausserdem hat das Forum auch RSS-Feeds. Die Darstellung ist frei waehlbar - ob in der traditionellen Baumansicht, einer Board-Ansicht und einer Mixansicht. >> zum Forum
Mark Siemons, FAZ
Seit dem 7. Februar, als die 23 Jahre alte Hatun Sürücü an einer Bushaltestelle in Berlin-Tempelhof erschossen wurde, weiß jeder, was ein „Ehrenmord” ist: ein Mord in der Familie, der sich auf Traditionen und Kultur beruft. Was bedeutet die „Kultur” als Motiv für eine Tat? Ist die Kultur, wie manche das bisher annahmen, ein mildernder Umstand? Oder macht sie das Übel nicht noch größer?
Ethnologe Werner Schiffauer meint, daß die Morde in deutschen Großstädten nicht auf archaische Stammestraditionen zurückgefürt werden könnten. Für die gewalttätige Eskalation macht er die Abgrenzungsbedürfnisse einer neuen „ethnischen Unterklasse” verantwortlich. Dies aber scheint, nimmt man den Bericht aus der kurdischen Innenwelt ernst, nicht zu stimmen. >> weiter
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Ethnologe Werner Schiffauer über Hintergründe von Verbrechen im Namen der Ehre
Fredmund Malik (Uni St. Gallen), Manager-Magazin
Der Gedanke der Kulturabhängigkeit ist zwar nahe liegend und plausibel, aber wie fast überall im Management ist Plausibilität ein schlechter Wegweiser. Die Idee von der Kulturabhängigkeit und somit der Notwendigkeit von inter- und multikulturellem Management ist bestenfalls eine Halbwahrheit, und insofern, als eine Wahrheit vorliegt, ist sie für praktisches Management weitgehend irrelevant.
Die Regeln managerieller Wirksamkeit und Professionalität sind überall gleich. Die Äußerlichkeiten des "Wie" können - übrigens auch in ein und demselben Land - verschieden sein und sind es in aller Regel auch.
Es gibt daher wenig Gründe, besonderes Aufheben zu machen von interkulturellem Management, wenn man einmal von der Selbstverständlichkeit absieht, dass es in jedem Land bestimmte Sitten und Gebräuche gibt, die man als Sache elementarer Höflichkeit erstens zu kennen und zweitens zu respektieren hat. Das hat aber nichts mit Management zu tun, sondern mit jenem Minimum an Kinderstube, Anstand und Kultiviertheit, die das Ergebnis einer den Namen verdienenden Erziehung ist. >> weiter
(link via ethno::log)
Kommentar: Das kann man auch anders sehen, aber es ist auch offensichtlich, dass Ethnologen und andere "Kulturexperten" in dem Gebiet einen Markt sehen (man denke an die vielen neuen ethnologischen Firmen und die unzaehlige Seminare) und deshalb Kulturunterschiede gerne uebertreiben (und damit den Menschen und dem Fach einen Baerendienst erweisen). Insofern ein lesenswerter Text.
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Ethnographisches Wissen in der Organisationsberatung
antropologi.info's Special ueber Business- und Corporate Anthropology

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